Azoren

Mitten im Atlantik, vom Feuer geboren, bizarre Landschaften, grüne Wiesen, blaue Blumen – viele Kühe, Wal(e)fang und ein Hurrikan.

Die Azoren bestehen aus insgesamt neun Inseln. Vier davon haben wir uns im Oktober 2019 für unsere 3 wöchige Visite ausgesucht.

Faial

Faial war die erste Station unserer Reise. Sie ist eine der mittelgroßen Inseln (170km² – ca. die Größe von Aachen Stadt) und mit 85 Einwohner/km² eine der dichtest besiedelten Azoren-Inseln. Zum Vergleich – Deutschland 232 E/km². Ausschlaggebend dafür, dass Faial für uns als Pflichtinsel im Programm stand war Capelinhos – ein vor erst rund 60 Jahren von einem Vulkanausbruch halb verschütteter Leuchtturm. Bei dem Ausbruch ist auch gleich noch eine neue Halbinsel mit entstanden. Das ganze sieht dann aus wie eine Mondlandschaft – schaut selbst hier und in unseren zwei Blog-Einträgen (1 und 2).

Leuchtturm Capelinhos an bizarrer Mondlandschaft

Ein weiteres Highlight war der beliebte Hafen von Horta. Bekannt wurde der Hafen durch seine zahlreichen kleinen Kunstwerke die dort pausierenden Segelcrews bei ihren Atlantiküberquerungen hinterlassen haben. Auch das unter Seglern bekannten Peters Cafe mit Blick auf die Boote, lud das ein oder andere mal auf einen azoreanischen Gin-Tonic ein.

Im bunten Hafen von Horta

Auf dem Pflichtprogramm steht noch der gigantische Schlund des Vulkans, dem die Insel seine Existenz verdankt – genau genommen ist die Insel nur die Spitze eines Vulkans. Wir persönlich waren beeindruckt, aber auch nicht so sehr, dass wir motiviert gewesen wären die 8km Wanderweg rund um den Krater zu starten. Kann man machen – muss man aber nicht!

Wir waren insgesamt 5 Tage auf Faial. Uns hat Hurrikan Lorenzo in der Zeit besucht. Das hat uns eine aufregende Nacht und einen aufregenden Tag gebracht. Direkt am Anfang zeigt uns die Natur, wer hier das Sagen hat. Wir bekommen haut nah mit, wie sämtliche Fenster auf der Insel verbarrikadiert werden und im Hafen alles doppelt gesichert wird. Alle Inselbewohner sind schwer beschäftigt … und auch besorgt – wenn nicht für die eigene Insel, so doch für die weiter westlich gelegenen Inseln, wo der Hurrikan zentral drüber fegt. Man kennt auch auf den Azoren.

Im Auge des Hurrikan

Um uns kümmert sich rührend und persönlich der Besitzer unserer Ranch. Zum Glück steift der Hurrikan Faial aber nur. Während am Haus unserer Gastgeber nur ein paar Dachziegel fehlen hat es Teile der Hafenbefestigung weggespült. Aber das sind nur kleine Schäden und direkt am nächsten Tag gehen die Aufräumarbeiten los.

Am Tag vor den Hurrikan – entspannter Austritt mit Pferden von unserer Ranch

Wäre Hurrikan Lorenzo nicht gewesen (und geplant war Lorenzo nun wirklich nicht), hätten es 1-2 Tage weniger sicherlich auch getan. Andererseits schadet ein Tag “Puffer für schlechtes Wetter” auf den Azoren auf keiner der Inseln!

Pico

Zweite Station war Pico. Der Pico ist mit 2.351m der höchste Berg Portugals und gute 1.700km von der Hauptstadt Porto entfernt. Die gleichnamige Insel ist nach Fläche zwar die zweitgrößte der Inselgruppe, beheimatet aber grade mal 13.000 Einwohner und damit nur gut 30 Einwohner/km². Was direkt auffällt: überall schwarzes Lavagestein – seeehr mystisch.

Wieviel Tage wir auf Pico verbracht haben wissen wir nicht mehr. Aber viel gemacht haben wir jedenfalls nicht. Das kann daran gelegen haben, dass wir eine wunderschöne Unterkunft hatten: Lava Homes. Da kann schon mal der ein oder andere Tag mit Faulenzen, Lesen und Grillen hervorragend in der Sonne verbracht werden.

Lesen, grillen, chillen – unser Lava Home auf Pico

Berühmt ist Pico aber auch für seinen noch gar nicht so lange abgeschafften Wahlfang. Lies in unserem Post mehr darüber. Geschickt haben die Walfänger jedoch die “Umschulung” vom Walfang zum Wale-Watching geschafft. Und so haben auch wir uns auf ein Zodiak begeben und einen krassen drei-Stunden Ritt über die Wellen mitgemacht. Ohne jeweils zwei Vomex hätten wir das nicht überlebt. Es hat sich aber trotzdem gelohnt. Jede Menge Delfine (verschiedene Arten), eine Schildkröte, ein Grauwalrücken und wirklich interessante Einsichten in die Welt der Wale und des Walfangs!

In einem Zodiak mitten auf dem Atlantik den Meeressäugern ganz nah.

Für unser ökologisches Gewissen haben wir, nach den 14 nötigen Linienflügen auf unserem Azoren Trip, etwas getan indem wir Whale Watching mit Ey Spakko the Lasso gebucht haben.

Frischer Fisch und Gewürze aus dem Garten … alles super zu Grillen auf den Azoren!

Flores

… unsere dritte Station. Etwas kleiner als Faial, nur ca. ein viertel der Einwohner und damit eine der am wenigsten besiedelten, dafür aber die grünste Insel der Azoren, ist Flores. Wie klein die Insel ist merken wir schon bei der Ankuft – am kleinsten Kofferband der Welt. Hier auf Flores wollten wir die Einsamkeit und Natur genießen und buchten uns 6 Tage in einem kleinen alten Fischerdorf ein, welches als Hotel umfunktioniert, nicht aber umgebaut, wurde. Hier bewohnt man die nach den alten Einwohnern benannten kleinen Häuschen mit riesigem Garten. Atlantik-Blick inklusive. Moderner Luxus sieht anders aus, aber fährt man deswegen zu den Azoren?!

Der Grillplatz in unserem Garten

Zu sehen gibts hier jede Menge Wasserfälle, steil abfallende Küsten, Leuchttürme, leere Vulkankrater, wassergefüllte Vulkankrater und jede Menge Natur. Aber man sollte im Auge behalten, dass die Insel sehr klein ist (140qkm, kleiner als das Stadtgebiet Aachen). Wer mit dem Auto unterwegs ist, ist nach 45 mein einmal rum. Unsere 6 Tage waren mehr als ausreichend – auf der anderen Seite kommt so auch kein Stress auf 🙂

Raue Natur auf Flores

Für das leibliche Wohl ist auch mehr als gesorgt. Es gibt ein(!) Geschäft, in dem man sehr gutes Fleisch und Grillkohle bekommt. Zudem gibt es hier eines der originellsten Restaurants ever! Sowas haben wir auf unseren Reisen bis dato noch nicht kennen gelernt: Es gab genau drei Tische, der Hund des Hausherren kommt gerne auf einen Streichler vorbei (kann sich aber benehmen), es wird nach belieben des ordentlich pichelnden Personals sehr laut die Musik auf den SonosFaber Boxen aufgedreht und auch das Licht wird gedimmt während der Koch in der offenen Küche mit nacktem Oberkörper am Herd das Essen zaubert. Am Fenster steht ein ausgemusterter Drucker auf hunderten Schallplatten, der noch warme Fön steckt neben unserem Esstisch in der Steckdose. Alles in allem fühlt man sich eher im unaufgeräumten Wohnzimmer der Besitzer als in einem Restaurant, zumal einer der drei Esstische ein Couch-Tisch samt dazugehöriger Schlafcouch ist. Die Atmosphäre ist entsprechend familiär, persönliche Gespräche sind hier natürlich inbegriffen.

Eine Speisekarte gibt es nicht – es ist ein handgeschriebener, kleiner Zettel in Post-It Größe. Gegessen wird, was auf den Tisch kommt – nämlich das, was der Koch am gleichen Tag in bester Qualität beim lokalen Metzger oder Fischer bekommen konnte. Love it, or leave it! Das Essen ist qualitativ sehr gut, mit Anspruch zubereitet und angerichtet und schmeckte einfach nur mega – suuuuuuuuuper frisch und lecker. WIR haben uns hier sehr, sehr wohl gefühlt! Wer unkonventionelle Erlebnisse und qualitativ ausgezeichnetes Essen mag sollte bei einem Trip nach Flores bei den “Jungs” vorbei schauen: Restaurant Maresi. Kulinarische Empfehlung!

Zuguterletzt sind wir dann sogar noch einen Tag länger auf der Insel hängen geblieben. Aufgrund von schlechtem Wetter ist der Flug nach Sao Miguel abgesagt worden – nächste Möglichkeit erst einen Tag später. Also eine Nacht von der Airline ins nahe gelegene Hotel, samt Vollpension, eingebucht, am nächsten Tag ein paarmal telefoniert und mit ein wenig Druck einen der letzten freien Plätze im nächsten Flieger ergattert. Ab zur nächsten Insel.

Die Propellermaschinen der Azores Airlines machen einen erprobten Eindruck.

Corvo

Mit 17km² die kleinste Insel der Azoren, ganze 460 Einwohner leben hier. Eigentlich wollten wir ihr auch einen kurzen Besuch abstatten. Hierher kann man vom nahe gelegenen Flores Tagestouren buchen. Allerdings war die Insel vom Hurrikan stark getroffen worden – und wir ersparten uns und den Einwohnern den “Katastrophen-Tourismus”.

Sao Miguel

Station 4 – Die Hauptinsel der Azoren, Sao Miguel. Mit 744 km² immerhin fast doppelt so groß wie das Kölner Stadtgebiet. Hier pulsiert das Leben mit 138.000 Einwohnern förmlich. Man hat die Auswahl an mehreren Geschäften für sein Grillfleisch 🙂 Und man braucht – gemütlich gefahren mit ausgewählten Stops – einen ganzen Tag, wenn man die Insel umrunden will. Das liegt auch dran, dass es nicht “nur” Natur zu sehen gibt. Beispiel gefällig? Lost Place Hotel Monte Palace inklusive.

Das Atrium des Monte Palace

Auch hier dreht sich natürlich alles um die krasse Natur und es ist nur ein Hauch von Zivilisation vorhanden. So gibt es hier mehr geführte Touren, Rafting, Fahrradverleih etc.. Wir sind aber eher selber die Entdecker und haben diese Angebote nicht in Anspruch genommen.

Auf den Weg zu diesem Leuchtturm muss man Straßen mit 38% Gefälle meistern

Zum Ausklang unserer Reise war uns unsere große Terrasse samt Grill direkt am Meer und die zahlreich vorhandenen Restaurants und Bars sehr willkommen. Bereits etwas “müde” haben wir hier den ein oder anderen Tag eher faul in einer Strandbar oder grillend auf unserer Atlantik-Terrasse verbracht.

Unsere Terrasse auf Sao Miguel – direkt am Meer.

Fazit

Auf den Azoren zu reisen ist sehr angenehm. Obwohl zwei unserer Flüge wetterbedingt gestrichen wurden und wir ein Auto aufgrund unsäglichen Gestanks umtauschen lassen mussten (mit Umtausch-Service bei uns am Haus), haben wir uns zu jeder Zeit von der familiären Gastfreundlichkeit der Inselbewohner wohl aufgenommen gefühlt. Am Ende der Zivilisation kriegt man solche Nickligkeiten gelassen geregelt.

Die Azoren sind super schön und auf jeden Fall ein Erlebnis wert. Wer Natur und Einsamkeit sucht muß hier hin!

Irgendwann ist man allerdings auch der Vulkankrater überdrüssig. In der dritten Woche auf Sao Miguel kam es uns immer wieder so vor, als wenn wir sowas ähnliches zuletzt schon mal gesehen hätten. 2 Wochen und eine Insel weniger, hätten vielleicht auch gereicht. Oder den Trip andersrum planen – d.h. vom “zivilen” Sao Miguel aus starten und dann in Sachen Natur und Einsamkeit in Richtung Westgruppe steigern. Auch den Puffer zum Verkraften der ein oder anderen wetterbedingten Reiseverzögerung sollte man nicht vergessen. Die Zivilisation ist hier noch zu Gast in der Natur – nicht umgekehrt.

In Erinnerung bleiben die vielen Leuchttürme, Mondlandschaften, grüne Berge, Wasserfälle, Gastfreundlichkeit, gutes Essen und eine unvergleichliches Gefühl der Verbundenheit mit dem Atlantik und der Natur.

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