Lappland ist Finnlands nördlichste Region und grenzt an Schweden, Norwegen, Russland und die Ostsee. Es ist ein sehr dünn besiedeltes Fleckchen Erde und bekannt für seine arktische Wildnis – und genau diese zieht uns immer wieder in ihren Bann. In Finnisch-Lappland gibt es weit mehr als den Weihnachtsmann und seine Rentiere!

Erkunden kannst du das Winterwonderland mit Schneeschuhen oder ganz normal zu Fuß, mit Skiern oder Langlaufskiern, mit einem Hundegespann oder einem Rentierschlitten, mit dem Fatbike oder einem Schlitten. Wer es gern etwas schneller und wilder mag schnappt sich etwas mehr PS und zieht mit dem Snowmobil los. Für den normalen Urlaub tut’s auch ein Auto. Für jedermann ist also etwas dabei, oder?!

Ylläs-Land
Der Flug wird bestenfalls als Direktflug bis Kittilä gebucht und nach etwa 3 1/2 Stunden Flugzeit landen wir auf der vereisten Landebahn. Links und rechts sehen wir aufgehäufte Schneeberge, es lässt sich erahnen was uns erwarten wird. Alles ist weiß – Die Freude ist groß! Wir sind “zu Hause”!

Unser Ausgangspunkt ist die Region rund um den Ylläs – von uns liebevoll in >>Ülles<< umbenannt. Der Ülles ist mit seinen 718m Höhe der größte Berg in der Umgebung. Auf und um ihn herum liegt das wohl größte und bekannteste Wintersportgebiet der Region: Äkäslompolo und Ylläsjarvi – das Langlaufski- und Ski-Mekka Lapplands! Den Ülles kann man von allen Seiten “abfahren” und zu jeder Zeit hat man mehr als genug Platz um sein Können, oder eben auch Nicht-Können, in vollen Zügen zu genießen. Als blutiger Anfänger auf Skiern sollte man sich an diesem Ort nicht wundern, wenn einen kleine Kinder in Schuss-Abfahrt überholen! Hier wird man wohl gleich nach der Geburt auf jegliche Art von Brettern gestellt!!


Deutlich voller, aber keineswegs überlaufen, ist es an den Loipen. 330km gespurte Loipen hat das Gebiet zu bieten! Aber Obacht – Loiper sind oftmals nicht freundlich gestimmt, wenn man die gemachte Strecke mit Schuhen begeht. Versucht haben wir uns auch am Langlauf, sind aber irgendwie gnadenlos gescheitert. Es sieht so unglaublich einfach aus, is’ es aber nicht!

Hier wird wirklich einiges für den Wintersportler aufgefahren – für den Fußgänger eher weniger.

Im Ort selber (Äkäslomplo) gibt es, zentral gelegen und gut erreichbar, einen großen Supermarkt, eine kleine Shoppingmeile, einen Bäcker, Restaurants und Bars. Zum Einkaufen bewaffnet man sich hier stilecht mit winterfestem Schuhwerk und einem Schlitten –> Und los geht die wilde Fahrt über dick eingefrorene Seen in Richtung Supermarkt. Natürlich auch mit dem Auto machbar, aber dann bei weitem nicht so spaßig!

Unsere Unterkunft buchen wir über fintouring. Hier kann man schon mal den ein oder anderen Geheimtipp abgrasen! Das wohnen in typischen Blockbohlenhäusern, die mit Sauna und Kamin ausgestattet sind, ist hier irgendwie ein Muss. Und in der Winterzeit auf jeden Fall von Vorteil, denn die Temperaturen können auch schon mal unter -30°Grad fallen. Lasst euch gesagt sein: Das ist knackig kalt!!

Und wenn wir uns dann die kalten Füße am eigenen Kamin oder in der Sauna auf wärmen können, ist das ganz schön kuschelig.

Reisezeit Januar
Unsere erste Ankunft am Ülles war Mitte Januar. Wir wollten noch mal einen >>richtigen Winter<< erleben und lasst euch gesagt sein, den haben wir auch bekommen! Bei Temperaturen die auch gerne mal unter die -30°Grad klettern, hat uns Lappland so richtig eingeheizt. 3-lagig musste die Skiunterwäsche schon getragen werden… darüber dann die Skibekleidung und dann noch den Thermoanzug!! Jede Stelle die wir nicht mit Kleidung bedeckt hatten, ist halt eingefroren.

Die Natur ist zu dieser Jahreszeit einfach einmalig: Der Schnee liegt Meterhoch – alles, aber auch wirklich alles ist weiß! Der Schnee liegt schwer auf den Tannen und formt zum Teil skurrile Formen in die Landschaft, die manches Mal an große Trolle oder Riesen erinnern.

Also nichts für Schwache Nerven, denn im Januar wird es nach 4 Sonnenstunden auch rasch wieder dunkel und so einem großen Troll möchte man dann nicht im Wald begegnen.

Skifahren lässt es sich dank Flutlicht besonders gut auf gefühlten 1000 Metern Schnee unter den Brettern. Ist schon was Anderes als in der Skihalle!

Wer im Januar anreist sollte sich also der Schönheit, aber auch der Realität bewusst sein = Einzigartig-wunderschöne Natur “aber” wenig Zeit sich diese an zu sehen!
Reisezeit Februar
Beim nächsten mal wollten wir dann aber schon etwas mehr Sonnenstunden haben, aber gleichzeitig auch nicht zu sehr auf den Schnee verzichten. Somit reisten wir Mitte/Ende Februar an und durften uns an knapp 6 Sonnenstunden erfreuen. Bei Temperaturen von bis zu -15°Grad ist es immer noch knackig-kalt. Ein Unterschied zum Januar ist aber bereits deutlich zu spüren und auch zu sehen. Die Trolle und Riesen aus dem Januar findet man jetzt nur noch selten. Aber keine Angst, es gibt immer noch mehr Schnee als man sich vorstellen kann.

Gerade wenn man um diese Jahreszeit mit dem Snowmobil die höher gelegenen Wege erkundet, landet man schnell wieder im “Alles-ist-weiß-Januar”. Im Februar sind die Hauptstraßen für Autofahrer bereits komplett von Schnee und Eis befreit, die Fußgänger-Wege noch voll Schnee. Der Morgen startet im Februar immer noch eher spät, aber dafür hat der Tag bereits deutlich mehr Sonnenstunden zu bieten. Genug Zeit um die Wanderschuhe ausgiebig zu nutzen. Was man wissen sollte: Das Wetter ist im Februar meist bedeckt, nur selten zeigt sich die Sonne.
Reisezeit März
Wer sich die Gegend mit viel Schnee und Sonne anschauen möchte, sollte Mitte März anreisen. Man findet jetzt nur noch selten von Schnee bedeckte Bäume, auch in den höheren Lagen muss man sich bis ganz nach oben trauen um dem “Alles-ist-weiß-Januar” zu treffen. Die Temperaturen liegen jetzt bei angenehmen -10°Grad, die man in der Sonne auch ohne Thermokleidung aushalten kann. Man sollte also unbedingt die Hütten der Umgebung erkunden und einen heißen Beerensaft mit einem leckeren Teilchen in der Sonne genießen.

Auf den Haupt- und Seitenstraßen jetzt auch alles rutschsicher, hier liegt kein Schnee mehr. Die Wald- und Wanderwege sind aber auch jetzt noch ausreichend mit Schnee bedeckt, in dem man immer noch Kniehoch versinken kann. Auch kann es vorkommen, dass es das ein oder andere mal schneit, was nicht nur die Skifahrer erfreut, sondern auch diejenigen die einen Schneemann bauen möchten. Eine Sonnenbrille darf im März auf keinen Fall im Gepäck fehlen!

Essen in Finnisch-Lappland
Nicht nur mit der Natur kann Finnisch-Lappland punkten, auch kulinarisch hat es hier einiges zu bieten: Es gibt nahezu jedes Gericht mit Rentierfleisch, in traditioneller Form als eine Art “Gulasch ohne Soße” mit Kartoffelpüree (Poronkäristys) – Das Rentierfleisch (Poro) kommt bei diesem Gericht recht farblos daher, aber es schmeckt unglaublich gut! By the way, wusstet ihr das Rentierfleisch nach aktuellen Studien zufolge zu dem gesündesten Fleisch gehört, was man auf dem Teller haben kann!? Es ist reich an B-12, Omega-3, Omega-6 und mager ist es auch.

Wer es etwas moderner haben möchte kann auch einen Rentierburger mit Pommes essen, oder sich eine Pizza mit Rentier-Topping bestellen. Zu nahezu jedem Gericht gibt es hier saure Gurken und Preiselbeeren – fast wie bei Ikea!


Unschlagbar ist hier allerdings nur einer: Der Lachs! Ob über den Kamin gegrillt oder in der Pfanne gebraten… Er allein ist schon eine Reise wert!! Wer die Fangtage im Supermarkt genau verfolgt kann tagesfrischen Lachs ergattern (mir läuft gerade das Wasser im Mund zusammen!!!).

Aber auch in Sachen Gebäck gibt es den ein oder anderen Leckerbissen, hier nur eine kleine Auswahl unserer Favoriten: Karjalanpiirakka, Ruialeipä, Mustikkapiirakka und vor allem Korvapuusti. Ein Zimt- und Anis-Fan wird sich an diesen Gaumenfreuden glücklich essen! Eine Tüte Salmiakki darf für unterwegs oder als Mitbringsel auf keinen Fall fehlen!

Wie sind wir eigentlich auf Finnisch–Lappland gekommen? Wir wollten noch mal einen richtigen Winter erleben, das wisst ihr nun. Aber vor allem hatten wir es auf die Nordlichter abgesehen! Bis dato haben wir in Finnisch–Lappland aber noch keine gesehen. Die Bedingungen sollen hier aber auch recht gut sein. Aber hey, was ja nicht ist kann ja noch werden.

Fazit
Wir lieben den Ülles und alles um den Ülles herum. Hier kann man die Seele baumeln lassen, aktiv sein, oder einfach mal chillen.
Was man wissen sollte, in Bezug auf die laufenden Kosten ist es hier vergleichsweise teuer: Ein 0,3-l-Bier kann hier schon mal 7,- EUR kosten und einen kleinen Einkauf für Frühstück und/oder Abendessen schafft man hier nur selten unter 60,- EUR.

Dafür ist die Ruhe und Unberührtheit der Natur hier unbeschreiblich!! Ausgedehnte Spaziergänge, ob mit oder ohne Schneeschuhe, durch absolute Stille, sind mega entspannend.

Wer Ski-Wintersport “in Kinderschuhen” betreiben möchte, also so wie wir, der ist hier sehr gut aufgehoben. Für richtige Pro’s ist der Ülles mit seinen 718m aber vielleicht eher eine kleine Nummer!?
Touren mit dem Snowmobil durch die weißen Landschaften sind absolute Pflicht, es macht einfach riesen Spaß – man sollte sich allerdings auf eine nicht all zu komfortable Fahrt einstellen, denn die Snowmobil-Straßen sind mitunter sehr hügelig und man sollte auf jeden Fall keine Rückenprobleme haben! Große Übung braucht es nicht, aber an der ein oder anderen Stelle vielleicht etwas Mut.

Eine ausgedehnte Hundeschlitten-Tour muss man auch gemacht haben, wo sonst hat man die Gelegenheit dazu?
